Rezession und Tafeln
Die Rezession lässt grüßen. Vielerorts wird davon ausgegangen, dass durch die momentane Finanz- und Wirtschaftskrise im kommenden Jahr viele zusätzliche Arbeitsplätze verloren gehen. Das scheint auch die Bewegung der Tafeln bestätigen zu können. Zwar haben sie seit einigen Jahren wachsenden Zulauf von hilfebedürftigen Mitmenschen. Doch in den letzten Wochen scheint die Zahl derer noch schneller zu steigen. Und so bitten die Tafeln „zur Kasse“. Die Tafeln haben sich zur Aufgabe gemacht, in Supermärkten und anderen Betrieben Sachspenden zu sammeln und diese an Bedürftige weiter zu geben. Waren es vor einigen Jahren noch überwiegen Obdachlose die sich hier ihre Verpflegung abholten, so sind es immer mehr auch Arbeitslose und Geringverdiener in sicheren Sozialstrukturen. Besonders dann, wenn auch Kinder zu versorgen sind. Wenn Alleinstehende zur Tafel gehen, dann sicher auch um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Doch für sie ist diese Anlaufstelle auch eine Art Sozialkontakt. Von den ehrenamtlichen Sozialarbeitern wird auch viel Hilfe im Zwischenmenschlichen durch Gespräche geboten. Die Tafeln sind eingetragene Vereine, die nicht auf Gewinne hin wirtschaften. Sie decken sogar ihre Unkosten wie zum Beispiel für Fahrzeuge und Räumlichkeiten überwiegend durch Spenden. Bei vielen Tafeln gibt es auch eine Kasse. Keine Registrierkasse oder anderes modernes Gerät, aber eine Geldkassette tut da auch ihren Dienst. Hier werden Einnahmen verwahrt, die zum Beispiel als Bargeldspende hereinkommen. Häufig wird für die herausgegebenen Lebensmittel ein symbolischer Euro genommen. Auch diese Gelder werden in der durchaus provisorisch anmutenden Kasse verwahrt. Auch diese Einnahmen dienen ausschließlich der Kostendeckung und nicht dem Erzielen von Gewinnen. Dass hier keine Notwendigkeit für moderne Kassensysteme besteht und auch für die Anschaffung kein Geld sowie für die Inbetriebnahme in aller Regel kein Platz vorhanden ist, dürfte auch einleuchten. Dennoch sind die Tafeln auch für Spenden aus Reihen der Kassenhersteller dankbar. Ebenso wie für Spenden aus allen anderen Branchen. Der Lebensmitteleinzelhandel ist sicher der wichtigste Partner der Tafeln. Auch wenn die Spenden keine Einnahmen in die Kasse des Unternehmens bringt. So ist doch ein gewisser Werbeeffekt zu verzeichnen der sich dann – wenn auch mit Verzögerung – in den Umsätzen niederschlägt. Denn wer Hilfebedürftige unterstützt, bei dem gehen die Leute auch gerne einkaufen. Das scheint ein Phänomen der Zwischenmenschlichkeit zu sein, was mittelfristig irgendwie für Arbeitsplätze sorgt. Aber es muss nicht ausschließlich der Lebensmittelfachhandel sein, der die Tafeln und andere soziale Einrichtungen unterstützt. Es ist jedem Betrieb möglich, Geldspenden steuerlich geltend zu machen. So bekommt der Betrieb auch diese Ausgaben zum Teil erstattet, ein gewisser Werbeeffekt steigert die Umsätze und ermöglicht weitere Investitionen. Auch Arbeitsplätze können durch höhere Einnahmen entstehen. Sogar bei den Zulieferern des Unternehmens dürften in der Folge mehr Einnahmen die Kassen füllen. Alles in allem kann so ein positiver Kreislauf der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes entstehen.
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