Zwangsurlaub
Die Finanzkrise ist in einigen wirtschaftlichen Kreisen durchaus schmerzhaft zu spüren. Nicht nur in der Immobilien- und der Finanzbranche hat es erhebliche Umsatzeinbrüche gegeben. Besonders hart hat es auch die Automobilbranche getroffen. Durch mangelnde Nachfrage und Verkäufe hat es inzwischen die ersten Produktionsstopps gegeben. Inzwischen ist der Absatz derart zurückgegangen, dass so mancher namhafte Hersteller seine Mitarbeiter über Weihnachten in Zwangsurlaub schickt oder zumindest Kurzarbeit anordnet. Auch Zulieferer sind in der Folge von Umsatzeinbußen betroffen. Wer da von einem Autohersteller abhängig ist, hat da ganz schnell den Kürzeren gezogen. Denn wer sich von nur einem Kunden abhängig macht, verliert in der Folge selbst Aufträge und Umsätze, was sich in der betrieblichen Bilanzierung negativ bemerkbar macht. Viele Autobauer wollen die Stammbelegschaft schützen, indem sie zunächst Zeitarbeiter nicht länger anfordern. Auch hier entsteht eine folgende Arbeitsplatzgefährdung bei den Personaldienstleistern. Desweiteren werden bei vielen Konzernen die Werksferien verlängert und eine Art Zwangsurlaub auferlegt. Wie es da mit den Lohn- und Gehaltszahlungen rechtlich unbedenklich weiter gehen kann, ist zu prüfen. Aber wenn auch Gehälter weiter gezahlt werden müssen, so macht sich doch in der Betriebskasse bemerkbar, dass zumindest durch die stillstehende Produktion keine Strom- und anderen Betriebskosten anfallen. Momentan hat es die Automobilbranche in ganzer Härte getroffen. Wird sich die Finanzkrise aber auch auf andere Branche wie Gastronomie, Hotellerie und Handel ausbreiten und hier für Kurzarbeit, Jobabbau und Umsatzrückgänge sorgen? Die tägliche Abrechnung der Einnahmen in den Kassen dürfte als erstes über kurz oder lang einen Rückschluss zulassen. Und wenn jene Beobachtung nicht positiv ausfällt, könnte es in der Tat zu Panik kommen. Vielleicht nicht in dem Ausmaß des „schwarzen Freitags“ von 1929, aber sicher mit erheblichen Einbußen für alle. Arbeitsplätze dürften in großem Stil abgebaut werde, öffentliche Kassen müssten in ungeahntem Ausmaß soziale Leistungen erbringen, und wenig überbleibende Arbeitnehmer würden durch höhere Steuerabgaben und Sozialversicherungsbeiträge zusätzlich belastet. Das wiederum birgt die Sicherheit, dass im Einzelhandel die Umsätze einbrechen. Hier würden durch weniger Tageseinnahmen wiederum Arbeitsplätze abgebaut. Doch auch vom Handel abhängige Zulieferer und Produktionsbetriebe müssten durch zurückgehende Umsätze und leerer werdende Kasse Jobs abbauen. Es entstünde ein Teufelskreis, aus dem nur schwer auszubrechen ist. Denn wenn einer anfängt zu schwächeln, bleiben am Ende nicht viele übrig, die finanziell kräftig genug sind, den Rest der Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Da ist es auch kein Trost, im eigenen Unternehmen die bestausgebildetesten Mitarbeiter zu beschäftigen, oder in die modernste Betriebsausstattung und das umfangreichste Kassensystem investiert zu haben. Zyklisch gibt es immer wieder Rezessionen. Ausgerechnet nun kommt noch eine weltweite Finanzkrise hinzu. Da braucht es viele Mutige, die trotz Umsatzeinbußen ihre Möglichkeiten nutzen und auf ihre Art in ihrem Bereich wenigstens Arbeitsplätze erhalten. Früher oder später wird sich der Mut auszahlen und den täglichen Blick in die Kasse und deren Abrechnung mit einem Lächeln im Gesicht belohnen.
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